„Pälzer“ in der Kollekte? Regionales Zahlungsmittel als alternative Währung – Regionalwährungen haben Konjunktur
Sie heißen „Sterntaler“, „Kirschblüte“, „Chiemgauer“, „Kurpfälzer“ oder, wie hierzulande, „Pälzer“: In Zeiten von Globalisierung und Finanzkrise haben Regionalwährungen Konjunktur. Pfarrer Thomas Jakubowski, im pfälzischen Pfarrerverein zuständig für das Werk gegenseitiger Hilfe, meint, dass sich der „Pälzer“ auch in einigen Bereichen des landeskirchlichen Zahlungsverkehrs rechnen könnte und regt deshalb an, die Regionalwährung als sinnvolle Ergänzung zu überprüfen.
Regionalgeld ergänzt den Euro um ein regionales Zahlungsmittel – meist in Form von Gutscheinen – und dient, so der Verband „Regiogeld“ auf seiner Internetseite, dem Gemeinwohl. In Deutschland gebe es 28 Regionalgeld-Initiativen, 39 seien in Vorbereitung. „Schon wenn Sie einen beliebigen Euro-Betrag in ‚Pälzer‘ umtauschen, profitiert ein regionaler Verein oder ein gemeinnütziges Projekt von Ihrem Umtausch. Ohne dass Ihnen Kaufkraft verloren geht, werden einem von Ihnen gewählten Verein drei Prozent Ihrer Umtauschsumme als Spende gutgeschrieben“, informiert der Verein „Pälzer Regio“.
Den „Pälzer“ haben die Bürgerstiftung Pfalz und Speyerer Gymnasiasten ausgetüftelt. Als „regional, gerecht und nahe am Menschen“ könne er als Zahlungsmittel in bestimmten Bereichen auch in der Landeskirche positiv zu Buche schlagen, kalkuliert Jakuboswki und nennt als Beispiele kirchliche Kollekten, Spenden oder den Zahlungsverkehr mit Beschickern von Gemeinde- und Kindergartenfesten sowie Handwerksbetrieben.
„Ein sehr interessantes Projekt“, kommentiert die Finanzdezernentin der Landeskirche, Karin Kessel, die Idee und schlägt vor, das Regiogeld in einer Pilotkirchengemeinde oder in einem Pilotkirchenbezirk auszuprobieren. Das Projekt könne die regionale Identität stärken und zu einer besseren Vernetzung zwischen gewerblichen und gemeinnützigen Einrichtungen beitragen. Die gewerblichen Unternehmen hätten den Vorteil, dass die Kaufkraft in der Region gebunden werde. Gemeinnützige Einrichtungen könnten darüber hinaus davon profitieren, dass jeder Teilnehmer beim Umtausch von Euro in „Pälzer“ eine gemeinnützige Einrichtung seiner Wahl mit einem bestimmen Prozentsatz der Umtauschsumme fördere. Denkbar ist Kessels Ansicht nach auch eine Vernetzung mit dem Bildungsbereich.
Das Bürgergeld binde die Kaufkraft an die Region, fördere regionale Unternehmen und stimuliere so regionale Wirtschaftskreisläufe. Regionales Wirtschaften verkürze die Transportwege und schone die Umwelt, bilanziert Pfarrer Jakubowski. Schließlich habe der Handel mit dem „Pälzer“ auch noch einen pädagogischen Effekt: Schon die Kleinsten würden zu einem vernünftigen Umgang mit Geld erzogen. Und Oberkirchenrätin Karin Kessel merkt an: „Es macht Mut, in die Erprobung zu gehen. Nur müssen wir als Landeskirche daran denken, dass wir nicht nur Pfälzer, sondern auch Saarpfälzer haben. Unsere Gemeindeglieder im Saarland sollten wir bei der Einführung des ‚Pälzer‘ nicht ganz vergessen.“ (spa)
Hinweis: Informationen über Regiogeld-Initiativen im Internet unter www.regiogeld.de.
Kontakt Pälzer Regio e.V.: Vorsitzende Gabriele Weiter, Im Vogelgesang 35, 67346 Speyer, Telefon 06232 74339 oder 06232 70585, E-Mail: apothekeimvogelgesang@t-online.de, Internet: www.paelzer-regio.de.
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